Warum Kurzgeschichten?

Manche meiner Freunde und Leser sagen zu mir: Die eine Geschichte könntest du noch weiter schreiben. Oder: Daraus könnte man ein ganzes Buch machen. Und ich muss zugeben, dass mich der Gedanke daran, ein vollständiges Werk mit mehreren hundert Seiten in den Händen zu halten durchaus reizen würde. Und vielleicht wird es einmal zu einem solchen Projekt kommen. Aber im Moment bin ich durchaus zufrieden und ganz realistisch gesehen würde etwas derart Großes im Moment auch gar nicht in mein Zeitmanagement passen. Denn, wie ihr vielleicht mitbekommen habt, bin ich Mama und meine Freizeit ist rar und daher ist auch die Zeit, tagtäglich mehrere Stunden am Computer zu schreiben-zumindest im Moment- nicht da. Die Arbeit an Kurzgeschichten ist darum ideal für mich (wobei ich an einer Kurzgeschichte zusammengerechnet auch auf einige Stunden komme 😏). Und es kommen noch so einige Vorzüge von Shortstories hinzu:

  • Das Tolle für einen Geschichtenerzähler an Kurzgeschichten ist ja, das man Dutzende seiner Ideen in kürzester Zeit umsetzen kann. Man muss sich nicht zwingend für eine entscheiden, um daraus etwas Schönes zu basteln. Ich bade und tobe mich in meinem „Ideentopf “ momentan so richtig aus und das genieße ich.
  • Ein weiterer Pluspunkt ist außerdem, dass man in die eigentliche Story direkt hineingeworfen wird. Es geht also fast immer sofort um den eigentlichen Kern und man muss auf die Spannung nicht lange warten. Für mich und meinen Blog sind Kurzgeschichten sowieso von Vorteil, weil es mir ja bei den meisten Erzählungen um eine Art „Momentaufnahme“ geht. Ein geschriebenes Foto, wenn man so will, und natürlich seine Geschichte dazu: Wie ist es zu diesem Bild, dieser Momentaufnahme in meinem Kopf gekommen?
  • Dem Leser auf der anderen Seite, der sich eigentlich gern mal in einen schönen, dicken Wälzer und einer kuscheligen Decke vergraben möchte, der aber leider häufig in seinem Alltag nicht so viel Zeit dafür aufbringen kann, kommen Kurzgeschichten somit auch sehr entgegen. Er hat dadurch die Möglichkeit zumindest für einige Minuten dem Alltag zu entfliehen und in eine andere Welt einzutauchen. Zwischendurch mal was Kleines lesen- und das immer und überall. Denn ein Buch hat man vielleicht nicht immer mit dabei, wenn man mit dem Bus fährt oder beim Arzt im Wartesaal sitzt. Sein Handy schon. Und Geschichten im Internet kann man somit jederzeit abrufen (auch meinen Blog 😉) #rausausdemalltag
  • Bei den meisten meiner Kurzgeschichten ist es die ganz bewusste Absicht, die Geschichten so enden zu lassen, wie sie eben enden. Nämlich gar nicht. Warum? Nun, weil ein offener Ausgang erstens Platz für freie Interpretation beim Leser hinterlässt und weil zweitens die Wirkung der Geschichte meist eine ganz andere ist. Womit wir bei Vorteil Nummer 4 von Kurzgeschichten sind. 🙂 Ist es euch nicht auch schon manchmal passiert, dass ihr vom Ende eines Buches enttäuscht gewesen seid oder ihr euch ein anderes Ende gewünscht hättet? Das kann bei einer Kurzgeschichte nicht passieren. Ohne einem aufgezwungenen, definitivem Ende des Autors bleibt beim Leser höchstens Neugierde zurück und Neugierde ist doch nie etwas Schlechtes. Bei mir gab es schon ab und zu eine kleine Verbitterung am Ende eines Buches, das beste Beispiel war Paolo Coelhos Roman „Veronika beschließt zu sterben“. Im ganzen, eigentlich wundervollen Roman geht es darum, dass Veronika, die einen schweren Herzschaden von einem Suizidversuch davongetragen hat, ihren unmittelbaren Tod vor Augen hat und nur durch dieses Bewusstsein endlich lernt, das Schöne im Leben und dessen Wert zu erkennen, um am Ende ihrer Behandlung in der Psychiatrie gesagt zu bekommen: Du wirst doch nicht sterben, es war nur eine Art dich zu therapieren. What? Schön und gut, dass die Protagonistin eine zweite Chance auf das Leben erhielt, jedoch für mich als Leserin war der Zauber und die Message des Romans irgendwie futsch. Meine Freundinnen, die das Buch gelesen haben, sehen das anders, aber ich hätte mir den Ausgang melodramatischer gewünscht, um die Aussage der Geschichte zu unterstreichen.

Aber wir sehen: Lesegeschmäcker und Endungsvorlieben sind nun mal verschieden und genauso ist das beim Erzählen selbst auch. Zum Glück, sonst wäre die Literatur ja sehr einseitig.

Ich für meinen Teil kann nur das tippen, was mir selbst gefällt und mit meinen Kurzgeschichten kann ich das umsetzen, was ich persönlich gerne mag: Kein seitenlanges Blabla, im Zentrum die eigentliche Handlung, eine Message und eine Ende, die den Leser (hoffentlich) noch ein wenig weitergrübeln lassen. 😉

2 Gedanken zu „Warum Kurzgeschichten?

  1. Myriam

    Ein schöner Text! Auch ich lese (und schreibe) hin und wieder sehr gerne Kurzgeschichten, auch wenn selbige in Deutschland oft etwas stiefmütterlich behandelt werden. Im englischsprachigen Raum ist das ja ein wenig anders, ich habe zumindest den Eindruck, dass die short story als solche da ernster genommen wird. Aber vielleicht ändert sich das ja irgendwann einmal 🙂 Liebe Grüße, Myriam

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    1. Geschichtensammlerin

      Ja, Myriam, da hast du vollkommen recht… leider haben Kurzgeschichten (generell im deutschsprachigen Raum) nicht den Stellenwert, den sie meiner Meinung nach verdienen. Ich muss auch sagen, dass ich mich in der großen Masse an Blogs mit meinem Kurzgeschichten-Blog doch recht einsam fühle 😅 Aber ja, vielleicht ändert sich das alles wirklich mal… ich hoffe jedenfalls doch, dass ich den ein oder anderen Leser erreichen kann, mit dem, was ich tue 🤗 Danke für dein Feedback!!! Liebe Grüße!!!

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