Wie ein Puzzle an der Wand – ein Leben, drei Szenen daraus und eine Menge verrückter Gedanken

„{…] Egal wie aussichtslos eine Situation im ersten Moment wirkt, es ist nie hoffnungslos. Im besten Fall wird es sogar eine der wertvollsten Zeiten unseres Lebens.“

Mit diesem Facebook- Post bin ich diesen Herbst auf Antonia Tinkhauser aufmerksam geworden, eine Frau, die ich vom Namen und ihrer Bekanntheit als örtliche Theaterschauspielerin zwar kannte, der ich aber ansonsten noch nie zuvor begegnet bin. Ich las, was sie geschrieben hatte und ein Interview, das man mit ihr geführt hatte und dachte: „Diese Frau will ihre Geschichte erzählen und Menschen damit helfen und ich möchte es sein, die ihre Geschichte schreibt.“ Also kontaktierte ich diese mir ansonsten noch unbekannte Frau und siehe da: Sie verabredete sich mit mir, um sich anzuhören, was ich mit ihr vorhatte. Zur Tür herein kam eine wunderschön strahlende und lachende Frau, die mir auf Anhieb sympathisch war. Ohne jegliche Zurückhaltung, ohne Scheu, unverblümt und überraschend ehrlich erzählte sie mir die Geschichte ihrer Suche, auf der sie sich seit der Krankheit befindet, und benannte es so: „Eigentlich ist es keine Krebsgeschichte, sondern die Geschichte eines Lebens.“

Darum schrieb ich diese drei Szenen einer Lebensgeschichte, beschmückte die junge Frau darin mit dem Namen Anna und jeder Menge wahrer und einigen verrückten Gedanken.

Szene 1- Sommer 2017

Der Vorhang öffnet sich. „Hör auf!“, schrie sie, als sie sich vor Schmerzen windend in ihrem Bett hin und her wälzte. „Es  reicht, Gott, hörst du? Schluss damit, sofort!“ Das viele Morphium wirkte nicht mal ein kleines bisschen gegen die kaum auszuhaltenden Rückenschmerzen. Annas Mann hielt seine weinende Frau fest und wartete mit ihr auf den Tagesanbruch. Als sie am nächsten Morgen mit ihrer Familie am Frühstückstisch saß, war ihr sauübel und sie hatte das Gefühl, die Medikamente drängen aus all ihren Poren heraus. Das war eindeutig der bisher absolute Tiefpunkt in ihrer Krebskarriere. Diese Karriere dauerte zwar „erst“ eineinhalb Jahre, aber immerhin. Nach ihrer ersten Diagnose und den ersten Chemotherapien war es schlimm gewesen. Aber beim großen Wiedersehen begleiteten Annas besonderen und schwierig zu behandelnden VIP- Krebs ein paar uneingeladene Freunde außerhalb der Brust. Die in der Leber waren zwar da, jedoch eher leise und unscheinbar, aber die in den Knochen, tja,  die waren nicht besonders freundlich. Eigentlich waren es richtige Arschlöcher, die ihr unfassbar große Schmerzen als Gastgeschenke mitbrachten.

Draußen war es mittlerweile Sommer, aber in ihr drin war es das nicht, es fühlte sich eher wie das Ende aller Jahreszeiten an. Sie kannte das plötzlich über sie hereinbrechende Gefühl nicht, denn eigentlich trug sie die Sonne in ihrem Herzen und war bei allen für ihre positive Art bekannt. Nicht mal, als Anna vor einem Monat erfuhr, dass die Prozedur wieder von vorne beginnen würde, war sie pessimistisch gewesen. Aber nun… Eigentlich wollte sie das nicht mehr. Sie wollte. Nicht. mehr. Aus. Der Juni war ein guter Monat zum Sterben, das heißt, für sie machte es keinen großen Unterschied, aber sie dachte, dass es für ihre Familie und ihre Freunde in einem warmen Monat wohl angenehmer wäre, auf dem Friedhof zu stehen und ihren Sarg hinunterzulassen. Das war das Mindeste, nachdem, was sie ihnen alles zugemutet hatte. Wie oft hatte sie ein schlechtes Gewissen ihren beiden Kindern gegenüber, ihrem Mann und ihren Freunden. Ihrer Mutter. „Es tut mir leid, dass ich krank bin“, hatte sie einmal zu ihrem Mann gesagt. Und es tat ihr wirklich leid. Das letzte, was Anna sein wollte, war eine Bürde. Schon die Beichte ihren Liebsten gegenüber, dass sie krank war, war hart für sie gewesen. Manche ihrer Freunde hatten so gelitten, dass sie selbst noch mehr litt, aber viele gaben ihr Kraft, trugen sie in der schweren Zeit und lehrten ihr, dass sie Hilfe annehmen durfte. Trotzdem bedauerte sie, was sie ihren Mitmenschen damit zumutete.

Aber an diesem Tag im Juni am Frühstückstisch, hatte sie kein schlechtes Gewissen mehr, bloß weil sie den Wunsch hatte, nicht mehr Leben zu wollen. So oder so: Sie würde Weihnachten nicht mehr erleben. Ihr Mann, ihre Kinder… sie würden schon klar kommen irgendwie. Ein Leben ohne sie war auch ok. Aber Gott, den sie suchte, obwohl sie nie wirklich an ihn geglaubt hatte, der eine Allmächtige, den sie angeschrien und dem sie befohlen hatte, dass es nun genug sei mit dem Schmerz, er schien es zu hören! Anna fand es merkwürdig und verrückt und wahrscheinlich war es bloß ein dummer Zufall, aber seit jener morphiumvollgepumpten, gottverfluchenden und zerfressenden Nacht, waren die Schmerzen fort. Bei der folgenden Untersuchung bei ihrer Onkologin erfuhr sie, dass der Krebs in ihren Knochen zurückgegangen war. Immerhin war er dort sehr hartnäckig und die Ärztin sprach von einem kleinen Wunder. Aber sie selbst wusste, warum es eingetreten war. Vermutlich hatte Gott keinen langen weißen Bart und saß auch auf keiner Wolke, und vielleicht hatte er einen ganz anderen Namen, aber er -oder zumindest irgendetwas– hatte die Energien in eine Richtung umgeleitet, in der es ihr besser ging. Viel besser. Und der Wunsch zu Sterben verpuffte auf einmal wieder in Annas Hoffnung und machte Platz für ihre Suche. Es war harte Arbeit wieder positiv zu denken, aber es war ihr großes Glück, dass sie ein positiv gestimmter Mensch war. Somit waren die grausamen Szenen ihres absoluten Tiefpunktes vorbei.

Vorhang zu.Kein Applaus für diese schrecklichen Szenen.

Szene 2- Herbst 2017

Vorhang auf. „Hey“, dachte Anna sich, „ich kann ganz gut Krebs haben!“ Immerhin kramte sie wieder nach den Puzzleteilen des großen Ganzen, das durch ihre Krankheit zu bröckeln angefangen hatte. Es waren einige Teile des riesigen Puzzles an der Wand verloren gegangen und sie war wieder überzeugt davon, dass sie Verantwortung für ihr Genesen übernehmen musste- und dazu gehörte eben, dass sie die fehlenden Stücke wieder einsammelte. Leider war es eine sehr lange Liste, aber das mit der Bewegung an der frischen Luft und der gesunden Ernährung machte sie schon recht gut. Den Zucker aus ihrem Leben zu streichen war genauso einfach, wie jeden Tag in den Wald zu gehen. Wenn sie sich mal nicht daran hielt, dann fühlte sie sich schlechter, eine ganz einfache Rechnung also. „Warum nicht konsequent sein“, dachte sie, als sie an einem schon recht kühlen Herbsttag wieder einmal durch den Wald schlenderte. Das Einatmen der sauberen Luft und die Natur taten ihr gut, ebenso einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen. Irgendwie war für Anna ja nichts mehr selbstverständlich. Aber zumindest konnte sie einiges beeinflussen. Schwieriger war es dann schon, wenn es um die Dinge ging, die ihren Geist und ihr Herz betrafen. Sie war glücklich, zwar war der Krebs da, aber sie war wieder glücklich. Bloß schäumte immer wieder die Frage in ihr auf: „Welche Aufgabe im Leben habe ich?“ Auf eine skurille Art und Weise war sie froh, dass sie sich damit befassen musste, weil es schon vor der Krankheit so war, dass sie nicht mehr gewusst hatte, wohin mit sich. Oft überlegte sie, ob sie den Krebs heraufbeschworen hatte. Sie hatte einen Ausweg gesucht, etwas, das sie dazu bringen würde, ihr Leben neu zu ordnen, etwas das ihr eine Auszeit vom Alltag auferzwingen würde. Vermutlich war sie heute als Krebspatientin glücklicher als zuvor. Wie furchtbar undankbar und unwirklich das klingt! Aber es war die schlichtweg ehrliche Frage, die sie sich stellte: „Habe ich es mir herbeigewünscht?“

Letzte Nacht hatte es geregnet und der Wald wurde vom herrlich frischen Duft durchzogen, den Anna so liebte. Es roch nach Neuem, Unverbrauchtem, Reinem. Wenn sie ihn tief einatmete, diesen Duft, dann spürte sie, wie sich jede noch so kleine, jede noch so kranke Zelle ihres Körpers bei ihr bedankte. Sie atmete tief und ruhig in sich hinein und gönnte sich einen Moment der Besinnung, der für sie schon an Meditation grenzte. Spiritualität war ein ganz neues Thema, ein Puzzleteil, das sie zuvor nie wahrgenommen hatte. Vielleicht, wenn man gesagt bekommt, dass man stirbt, vielleicht beschreitet man dann neue Wege; alles versuchen, alles dafür geben, wenn Mensch nach dem nackten Überleben schreit. Sie spürte den knirschenden Boden unter ihren Füßen und versuchte zu verstehen, warum sie durch diese Zeit, in der sie sich nun mal unweigerlich befand, das Leben mehr zu fühlen vermochte als zuvor, immerhin besaß sie alles, was sie hätte zufrieden sein lassen sollen. Einen Mann, der sie über alles liebte, zwei wundervolle Kinder, tolle Freunde und sie hatte ihren Lebenstraum, Schauspielerin zu werden und auf der Bühne zu stehen, wahr werden lassen. Sogar eine Theater- und Musical Academy hatte sie mit ihrer Kollegin gegründet. Es konnte eigentlich nicht besser sein. Aber vielleicht lenkte all das, wofür Anna so hart arbeitete, vom Wesentlichen derart ab, dass das wirkliche Glücksgefühl keine Zeit mehr hatte aufzuschäumen. Stress- der Auslöser für den Parasiten in ihr? Das Ventil hatte ihr mit Sicherheit gefehlt, denn wann hatte sie schon die Zeit, auf sich und ihren Körper zu hören? Seine Signale überging die 37-Jährige und war infolgedessen übellaunig gewesen. Vielleicht nicht von außen- denn natürlich wollte sie nie als schlecht gelaunte Person dastehen- aber innerlich.

Außerdem war sie sich sicher, dass sie ihre Prioritäten lange falsch gesetzt hatte. Wie viele Wochenenden war sie nicht zuhause gewesen? An wie vielen Abenden brachte ihr Mann die Kinder ins Bett, während Anna für Proben und Auftritte auf der Bühne gestanden hatte oder sich mit der verflixten Bürokratie in ihrem Büro herumgeschlagen hatte? Wie oft zog sie die Theaterfamilie ihrer eigenen vor? Damals war das Schauspiel alles für sie gewesen, nichts kam ihm nahe und es gab nichts, was ihr mehr gegeben hätte. Sie lachte in sich hinein. Heute dachte sie definitiv anders, sah sie die Dinge anders und erkannte, dass sie viele oberflächliche Freundschaften gelebt und viel unüberlegte Entscheidungen getroffen hatte. Damals hätte sie abends bei ihrer drei Monate alten Tochter zuhause bleiben sollen. Jetzt war Anna schlauer und holte die fehlende Zeit mit ihr nach. Sonntage hätten öfters der Familie gehören sollen- nicht der Bühne. Ein paar Mal mehr hätte sie ihr echtes Leben leben sollen und ihre eigene Rolle als Anna, als die von Königinnen oder Diktatorgattinnen. Aber es fiel ihr damals schwer, anderen eine Rolle zu überlassen, die sie von Anfang an, als die ihre empfand. Ihr eigenes Tun war spitze, das Verhalten der anderen falsch, so hatte sie geglaubt. Meine Güte, war sie überzeugt von sich gewesen… Dafür belächelte sie sich heute selbst. Nein, die anderen machten es genau richtig. War sie egoistisch? Heute wahrscheinlich weniger, als vor der Krankheit. Anna tat Gutes für ihre Mitmenschen, aber wirklich selbstlos fand sie sich nicht. War alles, was sie bisher getan hatte, nur dazu da, ihr ein gutes Gefühl zu geben? Um anderen zu gefallen? Die neuseeländische Heilerin, mit der sie seit einiger Zeit in Kontakt stand –denn wie gesagt, man lässt nichts unversucht, um zu überleben-, beschrieb sie wie in einen schützenden Gummiball, ihr metaphorisches Energiefeld sozusagen. Ihres sei angeblich stark durchlöchert, und nun würde man meinen: Natürlich sind Löcher darin, das ist dasselbe fehlerhafte Muster wie beim Puzzle, aber Anna interpretierte diese Theorie anders: „Vielleicht besitzt mein Gummiball Löcher, aber es geht keine Energie durch sie verloren, nein. Ich glaube zu wissen, dass ich mir die Energie von außen hole. Weil ich ein egoistischer Mensch bin. Weil ich ein Kopfmensch bin, und als solcher auf sich bezogen.“ Durch diese Selbsteinschätzung zweifelte sie an ihrer Authentizität. Aber wie authentisch kann man als Schauspielerin schon sein?

Nach ungefähr einer Stunde im Wald machte sich Anna auf den Weg nach Hause. Es brach die Zeit des Jahres an, in der es früher dunkel zu werden begann, Tag für Tag; eine melancholische Jahreszeit, noch mehr als es der Herbst war. In ihrem Auto war es genauso kühl, wie draußen. Also ließ sie den Motor an, drehte die Heizung voll auf und rieb sich die Handflächen, bevor sie losfuhr. Authentizität… Ihr Ziel war es nun definitiv, sich zu erden und alles zu verbannen, was ihr Energie raubte. Ja, sie hatte furchtbar grauenhafte Momente in ihrer Krankheit, die sie – und dieses Mal wirklich uneigennützig- niemanden wünschte. Aber die Augenblicke der Erkenntnisse und Offenbarungen, die der Schönheit überwiegten. So wie heute. Nie wieder wollte sie derart verbissen etwas hinterherjagen, auch nicht der Schauspielerei. Oder sich in Grund und Boden schuften. Wieder einige Puzzlestücke gefunden. Sehr gut.

Irgendwie mochte sie die Stimmung des frühen Abends, auch wenn er zu früh einbrach. Ab nach Hause zu ihren Lieben, sie waren bestimmt alle schon da.

Vorhang schließt sich. Tosender Applaus für so viel Ehrlichkeit.

Szene 3- Vor dem Schlafengehen

Vorhang auf. Das Beisammensitzen mit ihrem Sohn, ihrer Tochter und ihrem Göttergatten wärmte sie mindestens so sehr, wie die heiße Suppe, die sie löffelten. Die Familienmutter brachte die Kinder ins Bett und nahm sich wie immer ausreichend Zeit dafür, sich mit ihnen zu unterhalten und sich anzuhören, wie sie ihren Tag bewältigt hatten. Und wie immer war es ihre Tochter, die nicht müde zu kriegen war. Es gab so vieles, das sie loswerden wollte- das Leben einer Fünfjährigen war aber auch spannend! Als Anna wenig später ins Badezimmer schlurfte, um sich fürs zu Bett fertig zu machen, war sie entspannt und zufrieden. Über die heitere und stets ungezwungene Art ihrer Tochter musste sie schmunzeln; sie bewunderte sie dafür und musste sich noch viel von ihrem Mädchen abschauen. Und ihr kleiner große Junge… Herrlich wie er Frei Schnauze lebte… Ein bisschen wie sie selbst. Schon lustig. Sie zog sich ihren Pyjama an und dachte an ihren Mann, ihren Fels in der Brandung. Am meisten bewunderte sie ihn, den Realisten, der wissenschaftlich daran festhält, dass seine Frau den Krebs nicht überleben wird, sie aber gleichzeitig in seine Vorhaben in ein paar Jahren mit einplant. Er, der nicht viel von den neuen spirituellen und göttlichen Abenteuern seiner Ehefrau hielt, und schon gar nicht großartig über die Krankheit nachdachte, außer, dass er auf die Chemo bestand. Schlimme Tage hatte er definitiv, aber er hatte einen Weg gefunden. Warum sollte er über etwas nachdenken, das noch nicht eingetreten war? Anna liebte ihn für diese Normalität, die er ihr schenkte.

Nun, in diesem Moment stand sie nicht vor ihrem Mann, sondern vor ihrem größten Feind: Ihrem Spiegelbild. Wie jeden Abend nahm sie ihre blonde Perücke ab und musste sich ihren kahlrasierten Schädel ansehen. Sie hatte sich die Haare selbst abrasiert, beide Male- bei der ersten Chemo und in diesem Jahr wieder. Wie sehr Anna ihre lange, braune Haarpracht vermisste… Aber ok, damit kam sie klar. Auch mit den falschen Wimpern und den aufgemalten Augenbrauen, die sie selbst zwar skurril, aber ebenso ok fand. Womit sie ein ernsthaftes Problem hatte, war die Tatsache, dass auf ihrem Schädel ganz dick und fett „Krebspatientin“ zu stehen schien, sobald sie die falschen Haare abmachte. Die Glatze machte es so verdammt reell. Nicht nur für sie, vor allem für ihre Kinder. Jedes Mal, wenn sie in den Spiegel schaute, sah sie den kleinen, unverschämten Tod auf ihrer Schulter sitzen. Ansonsten spürte sie ihn, wie er sie tagsüber bei jeder Aktivität, die sie durchführte, ob heiter oder nicht, bei jedem Gespräch, das sie führte, ob es ein gutes war oder nicht und bei jedem noch so kleinen Erlebnis, ob wunderbar oder nicht, wie er sie immer leicht anstupste, während er da saß. Mit seinen winzigen, kalten Fingerchen trübte er alles Schöne. Mistkerl. Seit sie die Glatze hatte, konnte sie ihn nicht einmal mehr unter ihrer Wallemähne verbergen. Das Abrasieren der Haare war tatsächlich ein prägender Moment für sie. Aber davon gab es noch einige mehr. Allen voran die beiden Momente, in denen sie erkannt hatte, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Beim ersten Mal alarmierte sie der Knoten in der Brust, beim zweiten Mal war es der angeschwollene Lymphknoten am Hals. Beim ersten Mal war es ein Einbruch in eine neue Welt, beim zweiten Mal keine große Überraschung mehr. Anna wusste, dass der Krebs wiederkommen würde. Als der Arzt sie angerufen hatte und ihr das erwartete Ergebnis mitteilte, war sie… ja, erleichtert gewesen, weil sie ihrer Intuition trauen konnte. Wie verrückt war das bitte? Dass man ihren VIP- Krebs, wie sie ihn selbst getauft hatte, nicht wie einen 0815 Krebs hormonell behandeln konnte, war natürlich eine Mitteilung, auf die sie liebend gerne verzichtet hätte. Unheilbar lautete die Diagnose. „Wir zögern dein Ableben so lange es geht hinaus“, hieß es. Und doch war sie sich sicher, dass sie gesund werden würde. Denn auch das sagte ihre Intuition, und die lag immerhin schon mehrere Male richtig. Zweifel hatte sie ausschließlich dann, wenn sie Schmerzen hatte, aber seit die Therapie anschlug und diese wie ausradiert waren, waren auch die Zweifel weggeblasen. Nur der lästige kleine Tod auf der Schulter tippte sie an, aber vielleicht wollte er Anna bloß daran erinnern, dass sie die Suche nach den Puzzleteilen nicht vergaß. Denn das Bild an der Wand war noch immer voller Lücken. Sie schlossen sich. Eine nach der anderen. Da war sie sich sicher, denn sie liebte ihr Leben. Es war ein schönes, ein geiles Leben, und dieses gab sie nicht her. Nicht so lange Anna das letzte Wort hatte. Das hatte sie. Und wie sie das hatte.

Vorhang zu. Standing Ovation für so viel Überlebenswillen.


Viele Menschen, die sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation wie Anna oder Antonia befinden, ziehen sich zurück und glauben, dass viele ihrer Gedanken und Gefühle falsch oder unpassend sind. Antonia Tinkhauser möchte dieses Tabu brechen und ihre Hilfe anbieten. Darüber zu sprechen macht es zwar realer, aber es hilft. Denn nur wer sein Schicksal annimmt, kann es auch ändern. Du bist in einer ähnlichen Situation wie sie und/oder möchtest dich mit ihr austauschen? Kontaktiere sie unter:

https://www.facebook.com/antonia.tinkhauser

„Man darf sich nie aufgeben. So lange man lebt,

besteht die Chance zu überleben.“

Antonia Tinkhauser


Liebe Antonia,

ich danke dir aus tiefstem Herzen dafür, dass du mir die Ehre und das Vertrauen zuteil hast kommen lassen, deine Gedanken- und Gefühlswelt in Form dieser Real- Life- Story nieder zu schreiben. Danke, dass du dich schon bei unserem ersten Treffen so geöffnet hast. Dass du ehrlich warst, witzig und ernsthaft. Dass du mir deine Seele „entblößt“ hast. Danke für deine schönen Metaphern und Wortbilder, die mir beim Schreiben sehr geholfen haben.

Du bist eine einzigartige und starke Frau, von der ich auch viel über mich selbst und meine Sicht auf die Dinge lernen konnte und ich bin mir sicher, dass du noch viele Leute berühren wirst, wie du durch deine herzliche Art und durch deine Geschichte auch mich berührt hast.

Sarah


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