Wunderkinder

Schon verrückt, wie viele Facetten ein einzelner Mensch in sich trägt. Für den Text meines letzten Poetry Slam war es notwendig, einige Wörter zu kreieren, die es im täglichen Sprachgebrauch so nicht gibt. Aber um eben all die Facetten eines Menschen zu beschreiben, waren diese Wortschöpfungen absolut notwendig … 😉


Wir sind Abenteurer,

Losziehende,  Nach-Vorne-Geher, Ausreißer, Herausforderung-Suchende, Ins-kalte-und-unbekannte-Nass-Springende, die niemals auf der Stelle treten.

Wir sind Megafone,

Rausschreiende, so gar nicht ohne Stimme, eine Stimmlagen-Variation von hohen und tiefen Tönen, aber allesamt laut.

Und gleichzeitig

Sind wir Rehe,

Sich Zurückziehende, In-sich-Gehende, alles-in-sich-Hineinfressende, Schweigende. Die berühmten stillen, tiefen Wasser, die alles und jeden verstehen möchten.

Wir sind Ungeheuer,

Bloß ab-und-zu-Bereuende. Gern-Verbotenes-Tuer, an der Grenze-Baumelnde, am Abgrund-Schwebende, andere-Vorschubser, nicht-Fehlerlose, die ihre Fehler unter den Teppich kehren.

Wir sind Empathen,

Sich-für-andere-Aufopfernde, hinten-Ansteller, Vortritt-Lassende, ständige Zuhörer, die sooo verständnisvoll sind!

Wir sind Liebende,

Sich-Gegenseitig-Berührende, Verführer,Verführte, Haut-an-Haut-Süchtige, Lippenöffnende, Liebesakt-Tüchtige, die nur am Du zum Ich werden.

Und gleichzeitig

sind wir Solo-Gänger,

andere-von-uns-Wegschieber, auf Distanz-Haltende, Arme-Verschränkende, 
„Fass mich bloß nicht an“-Sagende, die nichts vom anderen wissen wollen.

Wir sind Enthusiasten,

überschwängliche Fantasten, Überglückliche, Lebensbejaher, die Begeisterungsfähigen, die oft unsinnige Realitäten leben.

Wir sind Zweifler,

ständige Rumgrübler,  „was ist aber, wenn“-Frager, die Unsicheren, die sich immerzu mit anderen vergleichen.

Wir sind der Negativ-Pol,

die Schwarz-Seher, die den Teufel-an-die-Wand-Maler, die Glas halb-leer-Trinker, die „das-kann-ja-nur-mir-passieren“-Sager, ständige zu Tode-Frager, die alles immerzu zerreden.

Und gleichzeitig

sind wir die Hoffnung,

die immer- Lachenden, nach vorne-Blickenden,  niemals-Aufgeber, Weitermacher, alles Negative-Zerlacher, denn „es wird schon alles gut werden irgendwie“.

Wir sind Traumtänzer,

Schunkelnden Träumen-Hinterherjagende,  Ideenpflanzer, die rosarote-Brille-Tragende, ein klein wenig Naive, Spinner, die mit „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“-Zitaten um sich werfen.

Wir sind Realisten,

Mathematiker, Logiker, Analytiker, Tatsachen-Akzeptierende, Rationalisten, Kopfmenschen, die nach vernünftigen Lösungen Ausschau halten.

Wir sind Suchende,

Sherlock Holmes-Lupen-Benutzer, ständig inErwartung-Stehende, nicht-im-Moment-Lebende, ewige Forscher, Goldschürfer,Sinnsucher, die einen jeden Stein nach dem Sinn umdrehen.

und gleichzeitig

sind wir Ankommende,

Tür-Aufsperrende und Heimkehrer, Sich Annähernde, durch die Ziellinie-Laufende, die sich dort zuhause fühlen, wo ihr Herz wohnt.

WIR SIND WUNDERKINDER. Weil wir so vieles in einer Person sind. Weil wir Ankommende sind und Suchende, Realisten und Traumtänzer, wir sind die Hoffnung und der Negativ-Pol, Zweifler und Enthusiasten, Sologänger und Liebende, Empathen und Ungeheuer, Rehe, Megafone und Abenteurer. Wir sind WUNDERKINDER. Weil wir ein Leben leben, in dem wir alles sind und nichts zugleich. Wir sind mehr das eine oder das andere, aber nichts losgelöst vom anderen, denn wenn wir durch das Leben wandern, begegnen wir nicht nur anderen Menschen, sondern vor allem immer wieder uns selbst. Das Selbst in all seinen Facetten, eingehüllt in verschiedenfarbigen Silhouetten. Eine jede Emotion huscht mal über unser Gesicht, und das mehrmals und wir sehen uns mehrmals im Spiegel an und sehen oft jemand anderen an, und doch sind wir es immer Selbst.

Schau, dein Spiegelbild, es zeigt dir ein WUNDERKIND. Eines, das Großes leistet, in dem es einfach nur weitergeht im Leben, ab und an mal steht und bleibt, ein jedes Beben meistert – und manchmal auch mal einen Schritt zurückgeht – aber nur um Anschwung zu nehmen, denn du bist ein Wunderkind – und Wunderkinder fliegen.


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4 Gedanken zu „Wunderkinder

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